Ein Spaziergang in Berlin im August 2026 zeigt einen Unterschied zwischen Berlin und Wien allzu deutlich auf, der nicht zugunsten Wiens —
Mitten in Berlin, zentral gelegen, geht es ohne großen zeitlichen Aufwand und ohne Mühe vorbei am „Gedenkort für die Opfer der NS-‚Euthanasie'“-Morde“,
am „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas“,
am „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Juden Europas“,
am „Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“,
an der „Neuen Wache“ …
Die „Neue Wache“ lädt ein, in ihr vor der Skulptur von Käthe Kollwitz zu verweilen, und die Tafel an der „Neuen Wache“ verdeutlicht noch einmal den Unterschied zwischen Berlin und Wien, der nicht zugunsten Wiens —
Die neue Wache ist der Ort der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Wir gedenken der Völker, die durch Krieg gelitten haben. Wir gedenken ihrer Bürger, die verfolgt wurden und ihr Leben verloren. Wir gedenken der Gefallenen der Weltkriege. Wir gedenken der Unschuldigen, die durch Krieg und Folgen des Krieges in der Heimat, die in Gefangenschaft und bei der Vertreibung ums Leben gekommen sind.
Wir gedenken der Millionen ermordeten Juden. Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma. Wir gedenken aller, die umgebracht wurden wegen ihrer Abstammung, ihrer Homosexualität oder wegen Krankheit und Schwäche. Wir gedenken aller Ermordeten, deren Recht auf Leben geleugnet wurde.
Wir gedenken der Menschen, die sterben mußten um ihrer religiösen oder politischen Überzeugung willen. Wir gedenken aller, die Opfer der Gewaltherrschaft wurden und unschuldig den Tod fanden.
Wir gedenken der Frauen und Männer, die im Widerstand gegen die Gewaltherrschaft ihr Leben opferten. Wir ehren alle, die eher den Tod hinnahmen, als ihr Gewissen zu beugen.
Wir gedenken der Frauen und Männer, die verfolgt und ermordet wurden, weil sie sich totalitärer Diktatur nach 1945 widersetzt haben.
Ein Spaziergang in Wien zeigte einen Unterschied zwischen Berlin und Wien allzu deutlich auf, der zugunsten Berlins —
Mitten in Wien, zentral gelegen, geht es ohne großen zeitlichen Aufwand und ohne Mühe vorbei
im KL-Grätzel,
an der Jordangasse,
am „österreichischen Heldendenkmal“ —
Das Heldendenkmal mit seinem frassischen Krieger lädt nicht zum Verweilen ein.
Menschgemäß kommt das Heldendenkmal im äußeren Burgtor zum Heldenplatz nicht ohne Tafeln aus, aber es sind im Gegensatz zur Tafel in Berlin oder
zur Tafel in Kiel
keine Tafeln zum Zitieren, etwa die Erinnerungstafeln für
für 1683 und
1813 …
Vom Heldenplatz durch das äußere Burgtor aus ist die auf Stein sitzende Vorfahrin der im Heldendenkmal verehrten Buben Habsburgs zu sehen und sofort erinnert es an das
Mahnmal in Berlin, das es in Wien nicht …
Zu zitieren ist doch etwas, kein Tafeltext, sondern ein Zeitungsartikel. Obgleich es seit 1938 öffentlich bekannt war, brauchte es in Österreich vierundsiebzig Jahre, bis endlich das im Sockel des „toten Kriegers“ versteckte nationalsozialistische Geschwefel entfernt wurde.
In einem Brief vom 20. Dezember 1938 teilte mir der Künstler folgendes mit: „Zu dem Heldendenkmal will ich Dir noch etwas erzählen, was auch die Leser des ‚VB‘ interessieren dürfte. Die Steinfigur des ‚Toten Kriegers‘ stellte ich im Frühjahr 1935 in der Krypta auf. In einem unbeobachteten Augenblick konnte ich in eine bereits vorbereitete Mulde im Sockel eine Metallhülse mit der Inschrift legen, die alsbald, noch bis heute und vielleicht für immer, von der schweren Figur verdeckt wurde. Bei allen möglichen Anlässen standen die damaligen hohen Würdenträger der Systemzeit vor der Figur und hatten keine Ahnung (was für mich einigermaßen belustigend war!), daß unter der Figur eine ‚hochverräterische‘ Inschrift liegt, denn damals war sie es. Den ganzen Wortlaut des Textes weiß ich heute nicht mehr, doch der Sinn ist der: Daß ich diese Figur des toten Kriegers zum Gedenken an meine gefallenen Kameraden gemacht habe und daß mit Tag, an dem wir Österreich im Zeichen des Hakenkreuzes (Sonnenrades) mit allen Deutschen ein Volk bilden, die Gefallenen nicht umsonst ihr Leben gelassen haben. – Und mit dem Tag – den 15. März 1938 – an dem der Führer das erstemal den Kranz vor diese Figur im Heldendenkmal legte, hatte sich mein Wunsch erfüllt. Du kannst Dir denken, daß das damals, nebst allem anderen, ein besonders großer Tag für mich war.“
Dr. Karl Hareiter, Der Bildhauer Wilhelm Fraß,
in: Völkischer Beobachter,
25./26. Dezember 1938, S. 6.
Von 1935 bis 2012, also siebenundsiebzig Jahre lang bekränzten österreichische „Würdenträger“ die Steinfigur mit dem eingelegten identitären Geschwefel …
Ein Wort aus dem Brief des Wilhelm Frass sticht hervor: „Systemzeit“ —
Heutigentags werden wieder viele zusammengesetzte Wörter mit „System“ geschwefelt, propagandiert, wie „Systemparteien, Systemmedien“ und so weiter und so fort …
Vom „österreichischen Heldendenkmal“ könnte noch weiterspaziert werden, zu noch einem Mal in Sichtweite des denkmalischen Obelisken für 1683, aber dieses Mal einmal vor Jahren gesehen zu haben, reicht vollkommen aus, es ist
ein Steinbrocken, der, wofür kein Vergleich mit einer anderen Stadt herangezogen kann, nicht für Wien spricht.
Am Steinbrocken auf der Mölker Bastei aber ist es mit dem Spaziergang nicht zu Ende,
es geht weiter, weiter zum müllnerischen Wehrmann mit dem
Vers des Priesters, der 1923 das Sonnenradlied, von ihm, dem Priester, aber „Hakenkreuzlied“ —
mit dem „Wehrmann“ — und das muß an seiner Stelle zugegeben werden —, keinen Spaziergang im August 2026 durch Wien gemacht zu haben, der Wehrmann erinnert, daß zur Finanzierung des Heldendenkmals der Wehrmann wieder zum Einsatz gebracht wurde:
Als 1934 das Äußere Burgtor zu einem Heldendenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges umgewandelt wurde, erinnerte man sich des „Wehrmanns in Eisen“. Zur Finanzierung wurde er aus dem Depot geholt und neuerlich am Schwarzenbergplatz aufgestellt. Benagelt wurde diesmal nicht die Figur selbst, sondern deren Sockel. Mit der Eröffnung des Heldendenkmals im September 1934 wurde diese Aktion beendet und der Wehrmann wieder abgebaut. Am 12. Oktober 1934 wurde die Ritterfigur schließlich an ihrem vorgesehenen Platz in den Arkaden des Neuen Amtshauses Ecke Felderstraße – Ebendorferstraße aufgestellt.






























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